Trinkschiff aus Silber und Gold

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WERK EINES GROSSEN BRESLAUER MEISTERS

Das Schiff aus vergoldetem Silber ist ein Trinkgefäß – schön, fantasievoll und ebenso fein gearbeitet wie unpraktisch. Meister Hans Strich, der es anfertigte, gehörte um 1600 zu den angesehensten Breslauer Goldschmieden und war berühmt für den Detailreichtum seiner Arbeiten. In der Takelage ist sogar ein Matrose zu erkennen.

Seit dem Mittelalter waren aufwändig gestaltete Trinkgefäße aus kostbaren Materialien beliebt, in denen der Gastgeber seinen Gästen den Willkommenstrunk reichte. Vor allem wollte man mit solchen Gefäßen beeindrucken und den eigenen Reichtum zur Schau zu stellen.

Zur Tischkultur des Adels und des reichen Bürgertums gehörten große Pokale, Kannen oder Münzhumpen, aber auch Gefäße in den Formen von Schiffen, Tieren oder menschlichen Gestalten mit der naturalistischen Wiedergabe aller Einzelheiten. Verarbeitet wurden nur die edelsten und exotischsten Materialen: Gold, Silber, Elfenbein, Kokosschale oder das Gehäuse des tropischen Nautilus mit seinem Perlmuttgehäuse für sogenannte Nautiluspokale.

Die ursprüngliche Funktion solcher Trinkgefäße trat mit der Zeit in den Hintergrund. Manche sind so kompliziert und detailreich gearbeitet, dass nicht sicher ist, ob tatsächlich aus ihnen getrunken wurde. Sie dienten in späterer Zeit wohl vor allem als Schmuck und Tafelaufsatz.

Die schlesischen Goldschmiede – im Geschmack eher konservativ, aber auf hohem handwerklichen Niveau – ließen sich von Renaissancearbeiten aus Nürnberg und Augsburg inspirieren. Sie hielten sogar noch an diesem Stil fest, als er weiter im Westen längst aus der Mode gekommen war. Führend in Schlesien waren die Goldschmiede aus Breslau und der Bischofsstadt Neisse.