Hostiendose

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Für das Abendmahl in der Friedenskirche Schweidnitz

Diese vom Lamm Gottes bekrönte Hostiendose stammt aus der Zeit, als evangelische Schlesier ihre Religion nicht ausüben durften und sich nach ihrer Kirche sehnten. Sie wurde im Jahr 1655 für die große Friedenskirche in Schweidnitz gestiftet, in der Protestanten im rekatholisierten Schlesien endlich wieder Gottesdienste feiern konnten.

Ende des Dreißigjährigen Krieges war Schlesien wieder katholisch, nachdem es im 16. Jahrhundert in großen Teilen protestantisch geworden war. Die Habsburger, an die Schlesien 1526 durch Erbfolge gefallen war, hatten mit ihrer Gegenreformation die evangelische Konfession systematisch zurückgedrängt.

Mit dem Westfälischen Frieden, der den wütenden Glaubenskrieg 1648 beendete, mussten die Protestanten die von ihnen genutzten Gotteshäuser an die katholische Kirche zurückgeben. Als Zugeständnis erhielten sie jedoch die Erlaubnis, außerhalb der Stadtmauern drei neue Kirchen aus Holz, Sand, Lehm und Stroh zu errichten – in Schweidnitz, Jauer und Glogau. Dafür fanden sich zahlreiche Unterstützer.

Einer von ihnen war der Kaufmannssohn Tobias Fessel. Seine Familie hatte beim Tod des Vaters 1632 lieber auf eine öffentliche Beerdigung verzichtet, als ihn von einem katholischen Priester bestatten zu lassen. Nun warb Fessel im In- und Ausland Spenden ein und trug zusammen mit seiner Frau Magdalena auch selbst dazu bei. Das Ehepaar stiftete die wertvolle Hostiendose, noch bevor 1656 in Schweidnitz der Bau der größten Fachwerkkirche Europas mit ihren 7500 Plätzen begann. Vielleicht wurden darin sogar die Hostien transportiert, die beim ersten Abendmahlsgottesdienst in der neuen Kirche ausgeteilt wurden.
Das Lamm Gottes mit der Siegesfahne wurde erst 60 Jahre später, 1716, auf den Deckel gesetzt.