Beweinung Christi

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Diese gotische Schnitzerei war Teil eines Altars der heutigen evangelischen Jesus-Christus-Kirche in Zodel bei Görlitz. Schlesische Werkstätten arbeiteten auch für Kirchen in der angrenzenden Oberlausitz. Die Szene, in der alle Vertrauten Jesu, die sein Sterben miterlebten, gemeinsam um ihn weinen, ist in der Bibel nicht überliefert. Dennoch wurde sie seit dem Spätmittelalter häufig dargestellt.

Die über 600 Jahre alte „Beweinung Christi“ verbindet Motive der Pieta, der Kreuzabnahme und der Grablege Christi. Die Szene von 1430 zeigt in der Mitte die trauernde Mutter Maria bei der Totenklage mit dem Leichnam ihres Sohnes auf dem Schoß. Links vom Haupt Christi kniet Joseph von Arimathäa mit langem Bart und Hut, der nach biblischem Bericht sein bereits erworbenes Grab für die Grablege Christi zur Verfügung stellte. Das Leinentuch, in das er Jesus bei der Kreuzabnahme wickeln ließ, hält er noch in den Händen. Die Geldbörse am Gürtel weist ihn als wohlhabenden Mann aus.

Hinter ihm steht vermutlich Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, der bei der Kreuzigung zugegen war. Bei den Frauengestalten handelt es sich um die drei Marien, die nach der Überlieferung ebenfalls der Kreuzigung beiwohnten. Wegen der oft angenommenen Verwandtschaft zur Mutter Jesu sind die Frauen rechts als Maria des Kleophas (auch „Mutter Jacobi“ genannt) und Maria Salome mit dem Salbölgefäß zu identifizieren, während Maria Magdalena neben Johannes steht.

Die Gewänder aller Figuren sind mit reichem Faltenwurf dargestellt, die Frauen gemäß der zeitgenössischen Mode für verheiratete Frauen mit Schleiern. Ihre Gesichter zeigen, wenn auch etwas stereotyp dargestellt, den Versuch des Künstlers, Schmerz und Ergriffenheit auszudrücken. Das Relief weist Reste von Farben auf, die der Szene mehr Lebensnähe verliehen. Vermutlich stand die Beweinungsgruppe inhaltlich in Beziehung zu den bedeutenden spätgotischen Wandmalereien, die in der Kirche von Zodel erhalten sind.