„Flussgötterteller“
Fotografien
Teller mit Poseidon, Triton und Nereiden
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hielten Objekte aus Eisenkunstguss wie dieser „Flussgötterteller“ Einzug in die Wohnräume des Bürgertums. Eiserne Schreibgarnituren, Briefbeschwerer und Uhrenstände eroberten die Schreibtische, Spiegelhalter aus Eisen die Toilettentische. Auch Wandteller, kleine Büsten und Plaketten gehörten zum biedermeierlichen Interieur.
Die preußische Eisenindustrie mit ihrem Zentrum in Oberschlesien erlebte damals einen mächtigen Aufschwung. Neue Verfahren wurden entwickelt, sodass nun neben Kanonenrohren, wuchtigen Bau- und Maschinenteilen auch kunstvoll geformte Kleinobjekte hergestellt werden konnten.
Die Königliche Preußische Eisengießerei Gleiwitz leistete hier Pionierarbeit. Seit 1798 betrieb sie Eisenkunstguss. Erst später nahmen auch die Gießereien in Berlin und im rheinischen Sayn die Produktion auf. Beliebt waren großvolumige Vasen für Gärten oder Gartensäle, häufig orientiert an antiken Vorbildern aus Rom und Griechenland.
Auch die Figuren des fein gearbeiteten sogenannten „Flussgöttertellers“, der Meergott Poseidon mit seinem Dreizack, dessen Sohn Triton und zwei Meeresnymphen, Nereiden, entstammen der antiken griechischen Mythologie. Die Delfine und die wellenförmigen Ornamente am Rand verweisen ebenfalls auf die Welt der Wassergötter.
Um 1835 erreichte der Eisenkunstguss seinen künstlerischen Höhepunkt und stand in hohem Ansehen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.