Plastik Ernestine Rücker

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EINE 100-JÄHRIGE ERZÄHLT VON IHRER KINDHEIT

Die Büste zeigt das Porträt einer 100-Jährigen. Als Cyrillo dell’Antonio sie schuf, war Ernestine Rücker die älteste Frau im Riesengebirge. Der Künstler war damals Direktor der Bad Warmbrunner Holzschnitzschule und lehrte die hohe Qualität der Schnitzkunst seiner Südtiroler Heimat. Während Ernestine Rücker ihm Modell saß, erzählte sie aus ihrem Leben.

Sie stammte aus einer Familie von Kleinbauern und wurde 1833 als ältestes von 13 Kindern in Berbisdorf bei Hirschberg geboren. Schon als Vierjährige musste sie mit aufs Feld und half beim Ährenlesen und Kartoffelanbau. Mit sechs Jahren bekam sie ein Spinnrad und spann seitdem von früh bis spät. Die Ernährung war karg. Morgens gab es eine Mehlsuppe, mittags Kartoffeln mit Quark, abends Kartoffeln mit Buttermilch.

Die 100-Jährige vertraute dem Künstler auch an, dass in ihrer Jugend ein gewisser Karl ihr Schatz gewesen sei. Heiraten konnte sie ihn aber nicht, denn sie hatte ihrer besten Freundin auf dem Totenbett versprochen, sich um deren Mann und ihre vier Kinder zu kümmern. Sie hielt Wort und heiratete den Fleischermeister Rücker, der ein rechtschaffener Mann war. Aber um den Karl sei es ihr doch leid gewesen, erzählte sie.

Noch mit 100 Jahren rühmte sie sich ihrer schlanken Linie, die sie bis ins Alter bewahrt hatte, und bat Dell’Antonio, er möge doch ihre Runzeln und Falten ein wenig kaschieren. Ernestine Rücker starb im Oktober 1935 im Alter von 102 Jahren in Bad Warmbrunn. Im Schlesischen Museum ist das Gipsmodell der Holzbüste ausgestellt.