Kunst im frühen 20. Jahrhundert in Schlesien
Fotografien
DER SCHWIERIGE WEG ZUR MODERNE
Schlesiens Probleme beim Übergang zur Moderne sind beispielhaft an der Kunstentwicklung Anfang des 20. Jahrhunderts abzulesen. Vor dem Ersten Weltkrieg überwog selbst in der Großstadt Breslau noch der konservative Geist der Wilhelminischen Zeit, so dass sich Neues nur mit Mühe durchsetzen konnte. Es gab kaum Mäzene, die Nachwuchskünstler förderten.
Erst in den 1920er Jahren erlebte Breslau den befreienden Aufbruch der jungen Generation, der sich in einem neuen Stilwollen auf allen Gebieten der Kunst manifestierte. Trotz aller äußeren Widrigkeiten entwickelte sich ein vielfältiges kulturelles Leben, von dem bis 1933 Impulse auf ganz Schlesien ausgingen.
Die wildromantische Landschaft des Riesengebirges mit ihren alpin wirkenden Schneeregionen faszinierte Künstler seit dem 18. Jahrhundert, vor allem Maler der Romantik wie Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus und Adrian Ludwig Richter. Populäre Druckgrafiken verbreiteten die Bilder der Bergseen, Wasserfälle und Felsformationen in ganz Deutschland. Die Nachfrage wuchs mit dem Aufblühen des Tourismus im 19. Jahrhundert. Seit dem Ende des Jahrhunderts suchten immer mehr Maler und Dichter Inspiration für ihre Kunst in der Begegnung mit der Natur. Einige ließen sich in den Gebirgsdörfern nieder. Heute folgen polnische Künstler ihrem Beispiel.
Im Zuge der neuen Begeisterung für Landschafts- und Freilichtmalerei zogen der Breslauer Maler Adolf Dressler und der Akademieprofessor Carl Ernst Morgenstern seit den 1880er Jahren mit ihren Schülern ins Riesengebirge. Viele Künstler ließen sich hier später nieder, um fern vom Großstadtlärm im Einklang mit der Natur zu arbeiten. 1922, in einer Zeit wirtschaftlicher Not, riefen sie die „Vereinigung bildender Künstler St. Lukas“ in Oberschreiberhau ins Leben, die mit Ausstellungen, literarischen und populärwissenschaftlichen Lesungen für die Künstler warb. Sitz der Vereinigung war bis 1931 die Lukasmühle, später das Hotel zum Zackelfall. Die Gruppe bestand bis 1945.